COLUMN HENK

Hello Spring

Ich bin eine echte Frostbeule und obwohl Weihnachten meine liebste Jahreszeit ist, kommt es vor, dass ich bereits am 27. Dezember das Frühjahr herbeisehne und der Winter gar nicht schnell genug vorbei

sein kann. Die Niederländer sind bekanntlich begeisterte Schlittschuhläufer und sobald es eine Woche lang friert, laufen die Vorbereitungen für die

„Elfstedentocht“, die Elfstädtetour, das bekannte Langstreckenrennen im Eisschnellauf, auf Hochtouren. Diese „Tour der Touren“ wird auf den zugefrorenen, romantischen Gewässern der niederländischen Provinz Friesland ausgetragen. Ich bin jedoch ein echter Amsterdamer und wenn es im Winter richtig kalt ist, gibt es für mich nichts Schöneres, als zugefrorene Grachten, auf denen Eltern mit ihren Kindern ausgelassen schlittschuhlaufen. Diese Wintervergnügen lassen mein Herz höher schlagen, aber dann freue ich mich bereits wieder auf den ersten „Rokjesdag“ im März; diese Bezeichnung wurde von dem leider viel zu früh verstorbenen niederländischen Schriftsteller Martin Bril geprägt. Dieser Tag ist auch

als „Rock Day“ bekannt und bezeichnet den ersten warmen Tag des Frühjahrs, an dem die Frauen ihre langen Hosen gegen leichte, kurze Röcke tauschen und wieder Bein zeigen. Die ersten sonnigen Frühjahrstage beleben die Sinne und ich sitze dann gerne entspannt bei einem Glas Wein oder leckeren Häppchen beim geselligen Plausch mit Freunden oder Saskia und den Kindern. Oder schlendere über die Gracht, auf der vor den Lokalen die ersten Klapptische mit Roséwein, Käse und Nüssen stehen und Sonnenanbeter die wärmenden Strahlen der Frühjahrssonne genießen. Frühjahr bedeutet für mich auch, morgens anstatt von dem schrillen Piepsen des Weckers von den ersten Strahlen der Morgensonne geweckt zu werden, die sanft durch die Gardinen blinzeln.


Als wir ab 1985 unseren Blumenladen in der Herenstraat in Amsterdam hatten, gingen wir bei schönem Wetter nach der Arbeit oft zum Café de Vergulde Gaper, das sich an der Ecke der Prinsengracht befindet. Wir wohnten zu dieser Zeit in Amsterdam und hatten keinen Balkon oder Garten und flüchteten deshalb bei schönem Wetter gerne nach draußen/auf eine (dieser) Terrasse(n). Als wir uns für Kinder entschieden, sind wir aus der Stadt gezogen und haben in Hoofddorp eine alte Doppelhaus-

hälfte aus den 30er-Jahren mit „einigen überfälligen Instandhaltungsarbeiten“ gekauft. Ich habe wirklich zwei linke Hände, das heißt, ich bin wirklich nicht gut in der Ausführung; ich bin jedoch sehr kreativ und meine Kompetenzen liegen im gestalterischen Bereich und in der Konzeption. Ich habe keine Ahnung, von wem ich diese Begabung geerbt habe, denn weder meine Mutter noch mein Vater hatten beruflich mit Inneneinrichtung oder Design zu tun. Mein Schwiegervater Jan war Zimmermann/Bauunter-

nehmer und konnte schlichtweg alles in die Praxis umsetzen, was er zu Gesicht bekam. Innerhalb von einer Woche hatte er die gesamte Rückfront unseres Häuschens entfernt und man sah durch die Decke

in den ersten Stock, man musste von Balken zu Balken springen, wenn man sich durch das Haus bewegen wollte. Einige Balken schienen schlichtweg verrottet, aber Jan sah auch darin kein Problem. Jedenfalls hat sich unser erstes Eigenheim dann prächtig entwickelt und dort wurde auch vor 26 Jahren unser Sohn Sjors geboren.