COLUMN HENK

FAMILIENSINN

Als Kind lag mir nicht besonders viel an dem Blumengeschäft meiner Eltern, und ich glaubte auch ganz sicher zu wissen, dass ich nicht in ihre Fußstapfen treten würde. Das Motto lautete stets nur „arbeiten, arbeiten“, an 6 von 7 Tagen in der Woche, und ich fand immer, dass zu wenig Zeit für schöne Momente mit der Familie blieb. Deshalb habe ich mich als Kind immer riesig auf unseren (Sommer-)Urlaub gefreut, denn obwohl wir nicht viel Geld hatten, gingen wir im Sommer für zwei oder drei Wochen mit der gesamten Familie auf Reisen. Meistens fuhren wir (meine Mutter, meine Schwester und der kleine Henk) vor, und mein Papa kam eine Woche später mit dem Auto nach, denn er wagte es nicht, das Geschäft zu lange unbeaufsichtigt zu lassen. Das Lieblingsziel der Familie Teunissen war der Lago di Garda oder Gardasee in Norditalien. Rund um den See sind wir an den verschiedensten Orten gewesen, von Riva bis Garda, und ich kenne dort bis heute die schönsten Fleckchen (und die besten Eisdielen).


Vor ungefähr 10 Jahren sind wir mit der Familie noch einmal dorthin gefahren, und eigentlich hatte sich in den 40 Jahren kaum etwas verändert. Ich habe so viele schöne Erinnerungen an diese Reisen. Wir wohnten oft in einem dieser einfachen, kleinen Familienhotels, wo jeder im Geschäft mithalf, Vater und Mutter, manchmal auch noch ein Bruder, die Oma, der Opa und natürlich auch die Kinder, denn im Sommer wurde jede Hand benötigt. Wir waren niemals mit dem Zelt unterwegs, denn meine Mutter hatte eine absolute Abneigung dagegen. „Wenn ich in ein Zelt kriechen soll, kann ich auch zu Hause bleiben“, sagte sie immer. Was mir vor allem in Erinnerung geblieben ist, ist die familiäre Atmosphäre dieser kleinen Hotels. Innerhalb kürzester Zeit kannte man die gesamte Verwandtschaft des Betreibers, und natürlich genossen wir auch das leckere italienische Essen. Mittags und abends wurde ausgiebig warm gespeist, natürlich auch mit Pasta, und alle drei Gänge wurden auf weißen Tischtüchern serviert. Uns kam das sehr luxuriös vor. Auf die Flasche Wein, die man bestellt hatte, wurde der Name geschrieben, und wenn noch etwas übrig geblieben war, wurde es bis zur nächsten Mahlzeit aufbewahrt. Meine Eltern waren wahrlich keine Großverdiener, deshalb ging man sparsam mit dem Wein um.

Im Sommer kann es in Norditalien manchmal ganz schön toben, und wenn das Wetter schlechter war, machten wir Tagesausflüge rund um den See oder nach Venedig oder Verona. Ich habe sehr schöne Erinnerungen an Verona. Es ist eine hübsche, alte, kompakte Stadt, in deren Herzen die weltberühmte Arena liegt, das Amphitheater, in dem im Sommer unter freiem Himmel wunderbare Opernvorstellungen gegeben werden. Die Karten für die Vorstellung des jeweiligen Abends, die bis dahin unverkauft geblieben waren, konnte man mittags zu einem vergünstigten Preis auf dem Platz vor der Arena am Kiosk erwerben. Ich sehe es noch vor mir. Der Arena gegenüber waren kleine Terrassen, auf denen wir manchmal etwas trinken durften, wenn wir durstig oder müde waren. War man erst einmal in der Arena, konnte man Sitzkissen leihen, denn die Plätze befanden sich auf einer Steinkante. Nur die teuren vorderen Plätze waren mit echten Stühlen ausgestattet, und in meiner Erinnerung sahen sie sehr schick aus. Es waren immer besondere Wochen, und es ist für uns bis heute erst dann der ultimative Urlaub, wenn wir ihn mit der gesamten Familie verbringen.