COLUMN HENK

“A house is not a home”

“A chair is still a chair, even when there is no one sittin’ there, but a chair is not a house and a house is not a home when there’s no one there to hold you tight, and no one there you can kiss goodnight.”


Dieser Song der niederländischen Jazz- und Popsängerin Trijntje Oosterhuis (Burt Bacharach) fiel mir damals ein, vor ungefähr fünf Jahren, als wir über die Zukunft unserer Puck nachdachten. Das war im Jahr 2014 und unsere mittlere

Tochter Puck würde bald ihren 20. Geburtstag feiern. Puck kam mit einer geistigen Beeinträchtigung zur Welt; sie ist eine lebensfrohe und außergewöhnliche Person und ist verbal und ziemlich stark, jedoch war uns klar, dass sie voraussichtlich nicht in der Lage sein würde, zu 100% selbstständig zu wohnen.


Als sie ungefähr zwei Jahre alt war, wurde die Diagnose gestellt, dass sie unter einer Beeinträchtigung litt, jedoch wurde nie eindeutig eingegrenzt, was ihr fehlte. Wir haben ihre Einschränkung übrigens erst bemerkt, nachdem die

Menschen in unserem Umfeld darauf aufmerksam wurden, sich jedoch erst nicht trauten, uns darauf anzusprechen. Wir waren von Puck einfach begeistert und gingen davon aus, dass schon alles gut werden würde ... Als wir schließlich die Diagnose erhielten, war das erst einmal ein Schlag, von dem wir uns aber schnell erholten, denn Puck war und blieb einfach Puck, wie wir sie ja bereits seit fast zwei Jahren kannten und eben einfach ein besonderes Kind. Damals wurden uns von den Ärzten alle möglichen Szenarien präsentiert, mit Prognosen darüber, wozu sie im späteren Lebensalter möglicherweise nicht in der Läge wäre. Bei alledem haben Saskia und ich immer gedacht: Das werden wir ja noch sehen. Und sieh an: Sie kann jetzt ganz normal lesen und (phonetisch) schreiben. Ein englischsprachiger Film mit Untertiteln ist kein Problem für sie und auf Ibiza – wo wir ein Haus haben – bestellt sie sich ihre Mahlzeiten und Getränke in einem Restaurant immer selbst – in gebrochenem Englisch, das, in Kombination mit der passenden Gestik, immer gut ankommt. Ihre Zahnarzttermine wickelt sie eigenständig per Telefon ab und liest und beantwortet E-Mail-Nachrichten und WhatsApp-Mitteilungen. Über Social-Media-Kanäle ist sie weltweit vernetzt und diese bereichern ihr Leben enorm. Sie ist eine leidenschaftliche Schwimmerin und Tänzerin (Zumba), braucht bei anderen Dingen hingegen noch Unterstützung und sie ist „nicht verkehrssicher“. Glücklicherweise ist Puck nicht schüchtern und so geht sie die meisten Herausforderungen unbefangen an. Da die Staatsausgaben für die Pflege kontinuierlich geringer werden, haben wir uns damals mit vier Elternpaaren beraten und selbst eine Eltern-Wohninitiative gegründet, da die Aufnahme in staatliche Einrichtungen mit langen Wartezeiten verbunden ist. Es war unsere Absicht, ein echtes Heim für unsere Kinder zu scha£en, eines, in dem sie sich zu Hause fühlen, und dies auch dann, wenn wir sie als Eltern nicht mehr unterstützen können. Die Bewohner sollten sich in vergleichbaren Lebenssituationen befinden und natürlich gut miteinander auskommen. Im Rahmen ihrer Arbeit im Restaurant Long Island in Hoofddorp in der Nähe von Amsterdam, in dem Puck an fünf Tagen in der Woche beschäftigt ist, hat sie Kelly und Lisa kennengelernt und mit deren Eltern sowie mit den Eltern von Björn haben wir uns schließlich auf die Suche nach einem geeigneten Haus begeben. Die Anfangsphase der Initiative war mit einer Menge Arbeit verbunden, vor allem für die Gesch.ftsführung, die von den Eltern von Björn und Lisa übernommen wurde, die auch die Projektträger sind. Mit Hilfe zahlreicher Sponsoren, der Gemeinde Haarlemmermeer und sehr viel Durchsetzungsvermögen der bereits erwähnten und später auch der übrigen vier Eltern konnte das Projekt in diesem Jahr schließlich umgesetzt werden. Wir haben es „Octet“ genannt – nach den acht Bewohnern (4 Jungen und 4 Mädchen), die dort gemeinsam leben und ein harmonisches Ganzes formen sollten, nach dem Vorbild eines achtköpfigen Orchesters.


Es war von Anfang an klar, dass wir, also Rivièra Maison, das Sponsoring für die Einrichtung des Hauses übernehmen sollten; es sollte ein geselliger und wohnlicher Wohlfühlort werden. Das Octet umfasst acht Apartments mit einer Wohnraumfläche von jeweils 50 m2 und einem Wohnzimmer, einem Schlafzimmer, einer Mini-Küche und einem Badezimmer. Die Apartments im

Erdgeschoss sind sogar mit einem kleinen Garten versehen. Das Haus ist auch mit einem Musik-/Freizeit-Raum und einer Übernachtungsmöglichkeit für die Assistenz versehen, welche die Kinder betreut, wenn diese zu Hause sind. Die Betreuungsperson erledigt Einkäufe, kocht gemeinsam mit den Hausbewohnern und hilft ihnen überall dort, wo dies erforderlich ist. Auf diese

Weise bilden sie eine echte Familie; die Betreuungsperson ist aber auch Ansprechpartner bei Problemen, hat jederzeit ein offenes Ohr und für jeden eine freundliche Umarmung. Puck war in der Zeit vor der Fertigstellung des Hauses sehr nervös, dies war eine sehr spannende Zeit nicht nur für Puck, aber nachdem sie dort ein paar Wochen wohnte und nach dem Abendessen

im elterlichen Haus, das sie donnerstags in Verbindung mit ihrem Schwimmtraining wahrnimmt, sagte, dass sie wieder nach Hause wolle, da wusste ich, dass unser Projekt erfolgreich war. Puck hat ein neues Zuhause gefunden. Die Bewohner gehen gut miteinander um und das Zusammenleben gestaltet sich sehr harmonisch und entspannt. Das gemeinsam genutzte Wohnzimmer bietet viel Raum zum Chillen und Wohlfühlen, doch wenn jemand etwas mehr Privatsphäre wünscht, hat er die Möglichkeit, sich in sein Apartment zurückzuziehen. Das Apartment von Puck wird regelmäßig zum geselligen Versammlungsort, vor allem wenn im Fernsehen Fußball übertragen wird, denn Puck ist passionierter Fußball-Fan.


Wir sind sehr glücklich mit dieser Situation und freuen uns mit den übrigen Eltern und Bewohnen über den gemeinsamen Erfolg. Dieses Haus ist zu einem echten „Home“ geworden. Home is where you can be you.

Henk Teunissen

CEO/Founder Rivièra Maison