COLUMN HENK

Traditionen

Es gibt Menschen, die immer so ihre eingeschleiften Gewohn-heiten haben, Traditionen zelebrieren und sich auch damit brüsten. Zum Beispiel haben wir Freunde, die vor einem Flug am Flughafen Schiphol immer und egal, wann der Flieger geht, einen Gin Tonic und ein großes Pils trinken ... Tradition oder Aberglaube? Wieder ein anderes befreundetes Pärchen fährt bei schönem Wetter immer in dasselbe Strandcafé in Zandvoort, verlangt die gleichen Strandliegen und bestellt grundsätzlich die gleichen Getränke. Ein anderer Freund, der Shopping hasst wie die Pest, fährt trotzdem einmal im Jahr, immer im gleichen Monat, mit seiner kleinen Cousine (inzwischen ist die 35) zum Shoppen nach Amsterdam. Zur Erinnerung machen sie auf einer schönen Brücke im Zentrum ein Foto.

Gut und schön, aber mir sind solche festen Angewohnheiten nicht so lieb. Ich möchte immer wieder neue Dinge tun oder entdecken. Das tue ich täglich bei meiner Arbeit, aber auch im Privatleben möchte ich immer wieder neue Dinge sehen. Das ist aufregender, nicht so „safe“ und natürlich kann auch mal etwas schief gehen. Wir haben ein Haus auf Ibiza und suchen mit sportlichem Eifer immer wieder einen neuen Strand oder ein Restaurant, das es zu entdecken gilt. Und das klappt erstaunlicherweise jedes Mal aufs Neue, obwohl wir schon gut 15 Jahre dorthin fahren. In den Städten, die wir besuchen, finden wir immer sehr viel Inspiration, die allerneuesten Konzepte von besonderen Stores und Restaurants. Bei meiner Arbeit motivieren wir unsere Part-ner auch, jedes Mal einen Schritt weiter zu denken oder eine neue Technik zu entwickeln, damit wir gemeinsam neue und immer schönere Produkte fertigen können.

In der Weihnachtszeit hingegen ist für mich das Entdecken neuer Dinge nicht angesagt, denn Weihnachten ist für mich Tradition pur. Ab Mitte November singe ich grundsätzlich lauthals mit, wenn im Auto das Lied „Driving Home for Christmas“ von Chris Rea läuft. Und mit der Familie schauen wir um Weihnach-ten herum immer die Filme „Love Actually“ und „The Holiday“, die auf die Tränendrüse drücken. Die haben wir bestimmt schon 10/12 Mal gesehen, aber das tut dem Spaß keinen Abbruch, im Gegenteil: Es macht noch mehr Spaß, fragen Sie mich nicht warum. An Heiligabend essen wir immer eine kalte Fischplatte mit Shrimps, Lachs und Aal vor dem offenen Kamin und packen zusammen mit Oma die Geschenke aus, die unter dem Baum liegen. Übrigens legen wir immer ein paar Nepp-Geschenke dazwischen, denn so ein ganzer Geschenkeberg hat doch etwas.


Schon gegen Ende des Sommers besprechen wir jedes Jahr, was wir diesmal zu Weihnachten essen. Das weihnachtliche Menü ist echt der Höhepunkt des Jahres bei der Familie Teunissen. Und doch gibt es als Hauptgang jedes Jahr in etwa dasselbe, als da wären Chateaubriand und ein Stück Wild für mich, weil es so gut zu Weihnachten passt. Die Zubereitung des Chateaubriand ist dabei jedoch so eine Sache, denn wir mögen es „medium rare“ und das will gekonnt sein. Das Fleisch wird erst angebraten und kommt dann eine Weile in den Ofen, mit so einem Fleischthermometer zur Über-wachung der Garstufe im Inneren. Das ist Präzisionsarbeit, denn wenn es etwas zu lange im Ofen bleibt, ist es ganz durch und dahin. Das ist dann jammerschade für das gute Fleisch. Wenn es aus dem Ofen kommt, lassen wir es noch ein paar Minuten in Aluminiumfolie garen. Das habe ich mir nicht selbst ausgedacht, denn mit meinen Kochkünsten ist es nicht so weit her. Viel weiter als Spiegeleier, Aufbackbrötchen (die mir auch noch oft anbrennen) und Bratkartoffeln komme ich nicht.


Für das legendäre Weihnachtsessen stellen wir in unserer Küche zwei lange Tische zur einer L-Form zusammen, sodass wir dort mit knapp 30 Leuten sitzen können. Meine liebe Saskia ist die Küchenchefin, aber jeder hilft mit und bringt etwas mit, damit Saskia Weihnachten auch genießen kann. Mir macht es Spaß, mit meiner jüngsten Tochter Bess und der Schwiegertochter Vicky die Weihnachtstafel einzudecken. Unsere liebe Küchenhilfe Puck sorgt dafür, dass alles ordentlich abläuft. Nicht zu viel Unordnung schaffen, denn das kann Puck nicht leiden. Bei mir darf der festliche Tisch ruhig over-the-top weihnachtlich sein: also viel Gold und Glitter und eine Menge echter Kerzen. Die Bilder unserer Weihnachtstafel stelle ich direkt auf meinen Instagram-Account (@HenkRM) ein. So kann jeder, der will, an unserem stilvollen Beisammensein teilhaben. Home is where you can be you.

Zu Weihnachten gibt es bei uns daheim also reichlich Traditionen. Wir verzieren jedes Jahr zwei echte Nordmanntannen mit neuen Dekovarianten: ein Baum steht in der Küche, der andere im Wohnzimmer neben dem offenen Kamin. In diesem Jahr habe ich mir gedacht, einen der Weihnachtsbäume mit Ornamenten aus Rattan zu behängen, das finde ich so hübsch. Natur ist derzeit total in, aber wir verkaufen schon seit gut 25 Jahren Rattan-Produkte ... damals waren wir allerdings die einzigen mit Rattan im Angebot. Alle Großabnehmer wichen in den 1990er Jahren nach China aus, um das weitaus günstigere Weidenholz zu kaufen und zu verarbeiten. Weidenholz ist eigentlich Schilfrohr, das am Kanalufer wächst. Färbt man es richtig ein, sieht es aus wie Rattan. Es ist allerdings viel leichter und nach einer gewissen Zeit trocknet es aus und bricht schnell ab. Rattan dagegen ist eine Art Kletterrebe, die am Fuße der Bäume wächst, und kommt nur in Indonesien vor. Ein nettes Video über Rattan finden Sie auf unserer Website und auf YouTube: „Unique & Handmade“ lautet der Titel.


Für das anstehende Weihnachtsfest haben wir dieses Mal wirklich sehr dekorativen und originellen Weihnachtsschmuck aus Rattan anfertigen lassen. Geflochten wurden unter anderem ein Mini-Flugzeug, ein kleines Auto mit Tannenbaum und ein Schaukelpferdchen. Die Entwicklung davon hat ungefähr ein Jahr in Anspruch genommen. Es handelt sich um 100 % Handarbeit, keine Maschine kann dies und nicht einmal jeder Korbflechter. Es sind vor allem Frauen, die diese filigranen Produkte herstellen. Zwei bis drei Mal pro Jahr fliegen wir nach Java (Indonesien), um vor den Toren von Cirebon im Dorf Majalengka mit den Rattanflechtern zu arbeiten. Am Anfang steht immer eine Idee, dann folgt eine Skizze und im Anschluss ein Plan. Danach suchen wir uns die richtigen Fachleute und los gehts. Bei der Fertigung geht auch schon einmal etwas schief. Dann muss man neu anfangen, man kann ja keine Maschine neu starten. Daher braucht man viel Geduld und einen langen Atem.


Dieses Jahr hängt der große Baum im Wohnzimmer also voller Rattan-Ornamente. Jetzt nur noch Saskia dazu überreden, dass die Silberkugeln echt im Keller bleiben ...

Henk Teunissen

CEO/Founder Rivièra Maison